Montag, 7. Dezember 2015

Geldpolitisches Voodoo. Von Prinz Michael von Liechtenstein

© ECB https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/
Der  EZB-Rat traf sich am 2. Dezember und beschloss eine weitere kleine Senkung der bereits negativen Zinssätze der Banken, während er gleichzeitig das Anleihenkaufprogramm um weitere sechs Monate bis März 2017 ausdehnte.

In ihrer erfolglosen Art und Weise versucht die Europäische Zentralbank ein Trilemma zu lösen.  Sie will das wirtschaftliche Wachstum durch niedrige bis negative Zinssätze ankurbeln, die von ihr anvisierte Inflationsrate von 2 Prozent durch eine steigende Geldmenge erreichen und den finanziellen Druck, der auf den Mitgliedstaaten lastet, durch ein riesiges Anleihenaufkaufprogramm lindern.

Dahinter steht der Gedanke, dass die EZB, indem sie negative Zinssätze für Einlagen bei den Zentralbanken zahlt, die Geschäftsbanken anspornen will, die Kreditvergabe gegenüber Unternehmen und Konsumenten zu erhöhen, anstatt ihre Liquidität zu maximieren. Desweitern wird erwartet, dass die Geschäftsbanken diese negativen Zinssätze an die Kontoinhaber weitergeben, um so den Anreiz zum Sparen zu nehmen und den Konsum anzukurbeln.

In einer kurzsichtigen Weise ist dieser Plan nachvollziehbar und logisch. Die Schwierigkeit ist, dass er für die Wirtschaft auf lange Sicht schädlich und völlig unhaltbar ist.

Mir ist noch keine überzeugende Erklärung zu Ohren gekommen, weshalb die magische Zahl einer Inflationsrate von 2 Prozent vorteilhaft ist.

Im März 2015 startete die EZB die ‚Quantitative Lockerung’, um das Problem der beinahe zahlungsunfähigen europäischen Staaten zu lindern ihren Schuldendienst zu bedienen. Im Rahmen dieses Programms kauft die Europäische Zentralbank jeden Monat 60 Milliarden Euro an Staatsschulden. Rechnet man die letzte sechsmonatige Erweiterung des Programms hinzu, dann beläuft sich die gesamte Finanzspritze, die durch die ‚Quantitative Lockerung’ bereitgestellt wird, auf 1,46 Billionen Euro.

Die Politik, die Wirtschaft mit Liquidität zu überfluten, hat das Wachstum nicht angekurbelt. Wenngleich kostengünstige Kredite eine Expansion in einer gesunden Wirtschaft unterstützen können, so können sie kein Wachstum schaffen. Was billiges Geld tatsächlich tut, ist Ersparnisse zu zerstören – insbesondere die Altersvorsorge.

Zu einem nachhaltigen Wachstum kommt es dann, wenn sich die Unternehmen nach eigenem freien Willen dazu entscheiden zu investieren. Um solche Entscheidungen zu treffen, müssen die Unternehmen Vertrauen in die Zukunft haben. Heute wird dieses Vertrauen durch unberechenbare Politik und Überregulierung untergraben.

Der schnellste Weg um das Vertrauen wiederherzustellen, wäre der die (von Politikern) gefürchteten Strukturreformen einzuführen, die echte private Investitionen auslösen würden. Öffentliche Ausgaben für sinnvolle Infrastruktur könnten in diesem Sanierungsplan eine unterstützende Rolle spielen.

Der Kauf von Anleihen löst das Staatsschuldenproblem in der Eurozone nicht, da die Mitgliedstaaten weiterhin zu viel ausgeben. Was man damit erreicht, ist Zeit zu erkaufen, die die nationalen Regierungen dazu nutzen, um Reformen weiter hinauszuschieben.

Die Verbraucherpreisinflation ist noch nicht zu den anvisierten 2 Prozent zurückgekehrt, aber bei Aktien, Anleihen und den Immobilienpreisen ist eine Inflation der Vermögenswerte ganz offensichtlich. Diese Art des nachhaltigen Wachstums endet gewöhnlich in einer Blase.

In Voodoo- und Stammesreligionen sind die Priester die Vermittler zum Übernatürlichen, um den Wohlstand der Gemeinschaft sicherzustellen. Blickt man auf die langfristigen Ursachen und Wirkungen, so scheinen die Zaubertränke der Medizinmänner, um die bösen Geister zu vertreiben, genauso viel Logik zu beinhalten wie die Anstrengungen der EZB, die Wirtschaft zu heilen – außer dass der Medizinmann wahrscheinlich weniger Schaden anrichtet.

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung des Autors; er erschien am 6.12.2015 beim Geopolitical Information ServiceS.D. Prinz Michael von Liechtenstein ist Gründer und Vorsitzender von Geopolitical Information Service AG sowie Präsident des Think Tanks ECAEF, European Center of Austrian Economics Foundation, mit Sitz in Vaduz. Prinz Michael ist Mitglied des Kuratoriums von Open Europe Berlin.

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