Montag, 21. Juli 2014

Wie gefährlich sind Hedgefonds für die Finanzstabilität? Von Alexandra Bordon

Die umstrittenen Hedgefonds sorgen in der letzten Zeit für rege Diskussionen in Bezug auf ihre potentielle Systemrelevanz und die hohe Volatilität auf den Finanzmärkten. 


Auf der einen Seite gibt es Kritiker, wie zum Beispiel Otmar Issing, das ehemalige Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Leiter der Expertenkommission „Neue Finanzmarktarchitektur“, die 2011 ihren sechsten und letzten Bericht vorlegte. Im Handelsblatt wies er auf die Gefahr der Hedgefonds für das gesamte Finanzsystem hin, da große Ansteckungsgefahren zwischen Hedgefonds und Banken bestehen. Dies begründet er damit, dass sie oft mit einem hohen Kredithebel arbeiten.

Auf der anderen Seite stehen die Finanzexperten, wie zum Beispiel Marcus Storr, Head of Hedge Funds bei FERI Trust, der immer wieder betont, dass die Hebelwirkung von Hedgefonds im Vergleich zum konventionellen Bankensektor wesentlich kleiner und somit nicht systemrelevant sei. Seiner Meinung nach liegt ein Problem der Hebelwirkung nicht im Business Model der Hedgefonds, sondern dem der klassischen Banken.

Der durchschnittliche Hedgefonds ist aktuell ca. 2,2-mal geleveraged. Dies bedeutet, dass ein Hedgefonds beispielsweise 100 Millionen an Anlagen der Investoren aufnimmt und nachfolgend 220 Millionen investiert, wovon 120 Millionen das Volumen der Bankenkredite darstellen. Im Vergleich dazu ist die durchschnittliche Bankbilanz ca. 20-fach geleveraged. So äußert sich Marcus Storr im Gespräch mit mir: „Lehmann Brother´s Pleite war ein netter „wake-up call“, deren Bilanz zur Zeit des Bankrotts mehrere dutzendfach geleveraged war. Es zeigt sich deutlich, dass die Systemrelevanz der Hedgefonds relativ niedrig ist“.

Um die Systemrelevanz so niedrig wie möglich zu halten, sollten sich erstens die Regulatoren weiter intensiv mit Banken beschäftigen. „Die Regulatoren und die Politik kennen die Banken in und auswendig, d.h. die Banken müssen einmal im Jahr die Hosen runter lassen und alles zeigen“, amüsiert sich Marcus Storr. ,,Wie hoch ist das echte Eigenkapital und wie hoch ist das Leverage? Das sollten Fragen an Banken sein. Zweitens sollte es ein kontrollierbares Leverage bei den Banken geben. Dies soll heißen, dass es keine Bank geben soll, deren Bilanz mehr als 15-fach geleveraged ist. Drittens: Wenn die Hedgefonds in stark gehebelte Projekte investieren, dann könnte der Regulator den Anspruch auf die Einsicht dieser Projekte haben. Dieses ist jedoch schwer möglich, da es sich bei diesen Investitionen um private und damit nicht regulierte Transaktionen handelt“, behauptet Storr.

Es besteht immer die Gefahr, dass der Finanzsektor durch einen hohen Verschuldungsgrad destabilisiert wird. Kann es sein, dass Herr Marcus Storr Recht hat zu sagen, dass die Fehler und Schwachstellen des aktuellen Wirtschaftsmodells insbesondere in den Bankbilanzen stecken, die das größte Leverage ausweisen und doch nicht, wie Otmar Issing behauptet, von dem unregulierten Finanzsektor kommen? Ist es erdenklich, dass das Problem des Finanzsektors eher in der Kreditvergabe von Banken lag, die zu wenig auf die Risiken und Bonität ihrer Kreditnehmer achteten? Die in diesem Jahr anstehende „umfassende Bewertung“ der Bankenbilanzen durch die EZB könnte hier etwas Klarheit bringen.

Alexandra Bordon studiert Volkswirtschaftslehre an der Humboldt Universität zu Berlin und ist ehemalige Praktikantin bei Open Europe Berlin.

Kommentare:

  1. The problems hedgefunds have is mainly their bad image with the general public and politicians who in general donot have a clue where they are talking about.
    It has however to be said that the sector isnot doing much to improver that negative image.

    However in the financial sector the by far most risky part are the banks. Not only the leverage but also the amounts involved are numerously times larger. Furthermore accounting principles used make BSheets of hedgefunds a lot clearer than those of banks.

    Probably next to lobbying the fact that in general the regulators/politicians are simply not good enough to make proper legislation to reduce risk of systemic problems.

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  2. Sehr interessanter Beitrag zu diesem aktuellen Thema! Gerne mehr davon.

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  3. Dear Rik, interestingly your observations correspond well with the opinion of Marcus Storr. According to Marcus Storr, “regulators have no clue and ask wrong questions" in order to get a better image of this sector

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