Donnerstag, 3. April 2014

Europäische Selbstbestimmung und Subsidiarität. Von Prinz Michael von Liechtenstein

In der Europäischen Union gibt es eine Reihe von Fällen, in denen sich Regionen, die sich innerhalb von Nationalstaaten befinden, lossagen und sich selbst regieren möchten. Katalonien, das nicht mehr zu Spanien, Schottland, das nicht mehr zum Vereinigten Königreich und Flandern, das nicht mehr zu Belgien gehören will – all dies sind Fälle, die auf der Hand liegen. Doch derartige Sezessions-Bewegungen beginnen oder verstärken sich auch in anderen Regionen.
Prinz Michael von Liechtenstein
Die Selbstbestimmung kann als das Recht der Menschen in einem bestehenden Staatsgebiet angesehen werden, ihr Schicksal auf der internationalen Bühne selbst zu bestimmen. Das Subsidiaritätsprinzip stellt sicher, dass die Mehrheit der Entscheidungen so nah wie möglich am Bürger getroffen werden, das bedeutet auf nationaler, regionaler oder lokaler (kommunaler) Ebene.

Die Europäische Union erkennt das Prinzip der Selbstbestimmung an. Die Verfassungen der meisten Mitgliedsstaaten schreiben jedoch die Integrität des Territoriums der Nationalstaaten vor, wie etwa in Spanien. Dies stellt dort einen Widerspruch dar, wo eine Region, warum auch immer, unabhängig werden will. Die momentane Tendenz, wie in den Fällen Katalonien und Schottland zu sehen, besteht darin, diesen Regionen mit der Nicht-Integration in die EU zu drohen, falls sie sich für ihre Unabhängigkeit entscheiden.

Artikel 5 (3) des Vertrags über die Europäische Union bestätigt und sichert den Grundsatz der Subsidiarität. Doch aufgrund eines wahren Furors an Harmonisierung wird eine riesige Menge der gesamten Regulierung auf EU-Ebene durchgeführt und ist damit für die gesamte Europäische Union verbindlich. Auch die Mitgliedstaaten verstärken ihre zentralisierte Bürokratie. Dies widerspricht dem Prinzip der Subsidiarität, und es vermindert den Wettbewerb zwischen den Regionen, der so notwendig ist, um eine effiziente und schlanke Verwaltung zu gewährleisten. Transferzahlungen werden aufgrund dieses Mangels an Wettbewerb eher zur Regel als zur Ausnahme. Und diese Transferleistungen sind einer der Haupttreiber für Flandern und Katalonien, eine Sezession anzustreben.

Das Prinzip der Subsidiarität und ein gesunder Wettbewerb zwischen den Regionen hätten zwei positive Effekte: Der Wunsch nach Sezession könnte aufgrund der größeren Autonomie reduziert werden und es gäbe durch die Konkurrenz-Situation auch mehr Effizienz in der Verwaltung. Nicht nur das Recht, sondern die Praktikabilität der Selbstbestimmung würde die Zentralregierungen dazu zwingen, dem gesamten Land einen besseren Service anzubieten.

Wenn wir wirklich die Grundsätze der Subsidiarität und der Selbstbestimmung in Europa anwenden würden, dann würden sich die Begleitumstände der Sezessionsbewegungen verringern, und sollte sich eine Region dennoch lossagen, würde dies keinen Schaden verursachen.

Als Fußnote: Der durch Überregulierung entstandene mangelnde Wettbewerb zwischen den EU-Mitgliedsstaaten ist einer der Hauptgründe für die Krise der Euro-Währung. Schwächere Nationen hatten keine Anreize, um Verbesserungen einzuführen. Dies ist die Ursache für die Transferzahlungen, die in der jüngsten Vergangenheit fast die gesamte Existenz der EU gefährdet haben.

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung des Autors; er erschien am 2.4.2014 beim Geopolitical Information Service

S.D. Prinz Michael von Liechtenstein ist Gründer und Vorsitzender von Geopolitical Information Service AG sowie Präsident des Think Tanks ECAEF, European Center of Austrian Economics Foundation, mit Sitz in Vaduz. Prinz Michael ist Mitglied des Kuratoriums von Open Europe Berlin.

1 Kommentar:

  1. Probably an essential step if Europe wants to maintain its standard of living (at least as much as possible). There are simply way too many passengers (both persons, regions and countries) compared to contributors to make the present system long term sustainable.

    1. Hard to see this develop in the 'Heineken' way a Europe of Regions. Would implicate a large transfer of powers from nations to Brussels. Simply no platform for that.
    Therefor should come mainly from within the countries. Hard to see that happening. Just look at Spain: say independent and you get the sink thrown at you by the government and if that is not close by the sofa or the badtub.

    2.The present EU set up is not fit to facilitate a move like this. Take the Scottish and/or Catalunyian discussion. Weird in a way that a secession would mean having to apply for EU membership. Still it is that way. Legally it is pretty clear already and politics overruling legal will not happen as you need unanimity for that (which will not happen).

    3. The idea is rather 'uneuropean'. In the way that the weakerstates simply by an act of the strong will be put in a situation that they will have to solve their own problems (or effectively eat cake).
    Which makes it difficult to present as a system at least. The passengers will be very reluctant to give up their freeride and fight (in which way we have to see) for it. Effectively you propose to take their Obamaphone away.
    Might however be the best possible solution for the EZ set up. You create an alternative that is much closer to an optimal currency area. Simply by increasing competition within a likley undeperforming country (like Italy or Spain). People can move North there keep the same language and not indirectly end up still paying the bill for structural underperformers (like Southern Italy or Andalusia).

    4. Longer term imho it looks one of the solutions to keep as much of Europe's welfarestate set up as possible. There are now already way too much passengers as said earlier and with aging and failed lower end immigration the number will increase further and a lot. Taking with them whole countries. Hard to see how countries like Italy, Portugal or Greece will ever get to a combination of a normal sort of growth from a 2007 livingstyle.
    The welfare state problems on a personal level is imho likely to take whole states with it. States ending up in simply unaffordable systems. Especially the not worldclass countries in the South seem vulnerable for that (because of EM competition). But others donot look great as well (often for different reasons, however aging always being one of them).

    5. Effectively the system here proposed says underperforming regions should stand on their own feet. Created by performers setting up their own shop. Could be the only way to have a remore chance to make it work.

    6. Would like to see it combined with a more positive message. Like Jim O'Neil proposed for Liverpool/Manchester combine the two to a mega city (that seem to do well in the current climate in general).

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