Dienstag, 25. März 2014

Eine feindliche Übernahme - durch schleichende Vereinnahmung? Das deutsch-französische Verhältnis in der Airbus Group (Teil 2/4). Von Christian Dominik Heinz

Im ersten Teil wurden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Airbus Group mit deren politischen Dimensionen dargestellt. Der französische „Wirtschaftskriegs“-Charakter von Interventionismus und Protektionismus in einem europäischen Gemeinschaftsunternehmen ist heikel. Genau das schürt erst Nationalismen in Wirtschaft und Politik, obwohl die Zusammenarbeit an sich sehr erfolgreich ist. Doch die politisch motivierte Gründung und teilweise staatliche Historie der von in der Airbus Group aufgegangenen Unternehmen verbunden mit deren nationaler Mythologisierung (über Flugzeuge wie der Caravelle, Concorde und Airbus in Frankreich) sowie persönlichen Beziehungen der Manager machen politische Zusammenhänge aus, die zu Konflikten führen. Konspiration der Eliten, das Ausspionieren von Gegnern oder eine französische Regierung unter Korruptionsverdacht sind die Konsequenzen der politischen Konstruktion der Airbus Group.
Quelle: Reuters
Alle Konflikte kommen folglich einer Staatsaffäre gleich. Tatsächlich wird nichts vom Schmutz des politischen Geschäfts ausgelassen. Da schreckt man nicht einmal vor dem Einsatz von Geheimdiensten gegen die inneren Rivalitäten zurück. "EADS ein Synonym für Intrigen und Machtkämpfe" schrieb "Der Spiegel" schon im vierten Jahr der EADS. Die zivile Flugzeugsparte "Airbus" sollte nach französischen Vorstellungen als auserkorener französischer Kern die eigentliche Muttergesellschaft sein. Das war das Streitthema seit der Gründung von EADS im Jahr 2000. Und jetzt ist es wohl mit der Umbenennung und Umstrukturierung zur Airbus Group dieses Jahr soweit gekommen? 

Airbus ist hauptsächlich in Toulouse zu Hause und EADS ist jetzt Airbus mit der entsprechenden neuen Zentrale in Toulouse. Vormals war die Verwaltung zwischen München (Ottobrunn) und Paris absichtlich national aufgeteilt. Ist das also eine feindliche Übernahme der EADS Divisions Eurocopter, Cassidian und Astrium durch die französisch dominierte Airbus Division? Die einstige arbeitsteilige deutsch-französische Verwaltung ist endgültig zentralisiert. Das ist Teil der Absicht von CEO Thomas Enders, ein "normales Unternehmen" zu werden. Andererseits wollte er aber auch nicht auf Subventionen verzichten wie die Anschubfinanzierung für den A350. Dementsprechend kann er den Versuch politischer Einflußnahme  nicht als ungerechtfertigt abtun - zumal die Staaten sowieso Großkunden sind.

Nun verweigerte Deutschland aber die Subvention, weil der französische Arbeitsanteil am Airbus A350 höher als der deutsche ist und diese Lage vor dem Hintergrund der frankophilen Neuausrichtung auszuwachsen droht. Aufgrund der Affinität der französischen Politik gegenüber Großkonzernen? Was ausgehend von der deutschen Haltung für Wettbewerb und Chancengerechtigkeit spricht und contra Wettrüsten der Fördermittel zugunsten der jeweiligen Länder, schadet hier leider den deutschen Interessen. Europa spielt sich gegeneinander aus! Dieses Abhängigkeitsverhältnis vom politischem Kalkül schadet langfristig allen Standorten aller Länder, weil alles nur vorbehaltlich umgesetzt wird und sich keine eigene, selbstständige Attraktivität entwickeln kann. Eigenständigkeit und Selbstverantwortung sind das höchste Gut des Unternehmertums. Die einstige viel beachtete Balance zwischen Frankreich und Deutschland ist mit diesen Streitigkeiten letztendlich zerstört worden. 

Vormals gab es ein ausgeglichenes Verhältnis der Führungskräfte. Seitdem hat sich viel zugunsten französischer Managerposten getan. Ein anonymer Kommentar auf der "EU-Infothek" belegt einen deutschen Hilferuf, dessen Inhalt unbestätigt ist: "Denn die französische Übermacht ist groß - ungesund zu groß! Dass das keinem auffällt, wie die Machtbalance aus den Fugen geraten ist! Einige Beispiele für die, die es noch nicht wissen: Machtverteilung in den ehemaligen EADS (heute Airbus) Geschäftsbereichen: EUROCOPTER: Der französische CEO hat 12 Direct Reports. Darunter sind 3 Deutsche (einer davon wurde gerade „ent*****“, als man ihm 50% seines Zuständigkeitsbereich wegnahm). Der Rest sind Franzosen. ASTRIUM: Der französische CEO hat 14 Direct Reports. Darunter sind 2 Deutsche. Der Rest sind Franzosen. AIRBUS: Der französische CEO hat 16 Direct Reports. Darunter sind 2 Deutsche, ein Brite, zwei Amerikaner, ein Spanier. Die Restlichen 10 sind Franzosen. EADS Headquarter: Der deutsche CEO hat 12 Direct Reports. Darunter sind 4 Deutsche und acht Franzosen. Eine wirklich wichtige Rolle unter den Deutschen kommt allerdings nur dem Finanzchef zu. Die anderen Kollegen sind für Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und juristische Belange zuständig. An den Schaltstellen der Macht sitzen auch da die Franzosen. Wer das beklagt oder etwa versucht, etwas dagegen zu unternehmen, wird abgesägt, gemobbt und mit üblen Methoden aus dem Konzern entfernt!"

Der ehemalige Wirtschaftsstaatssekretär und Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt Peter Hintze wollte dem eigentlich präventiv begegnen, als er noch seit Abschaffung der Doppelspitze im Jahr 2007 "paritätische Stellenbesetzung auf frei werdenden Arbeitsplätzen der obersten fünf Hierarchieebenen" einforderte. Damit sollte den Führungsgremien praktisch eine national-repräsentative Gewichtung aufgezwungen werden. Fakt ist, dass die Installation französischer Manager in Großkonzernen vor dem Hintergrund der gemeinsamen Elitenbildung mit Politikern (in der jeweiligen École) eine Methode hat und zu internem Postenschacher führt.

Im Grunde hat sich dieser Prozess bei Airbus schon lange abgezeichnet. Bei der Tochter Airbus Helicopters (ehemals Eurocopter) ist er schon sehr weit fortgeschritten, weil es die innerbetriebliche Zusammenarbeit mit den Franzosen hier schon seit 1992 gibt (bei Airbus seit 2000). Laut dem leider inzwischen verstorbenen Betriebsratsvorsitzenden Karl Wölfl hat das Deutschland die Systemfähigkeit bei den Hubschraubern gekostet

In der Retrospektive zeigt sich also: Die Fusion von Aérospatiale-Matra mit der DASA/ CASA war kein "Merger of Equals", sondern die Initialisierung einer verdeckten, feindlichen Übernahme! Prinzipiell sprechen die ganze Misere sowie die schädlichen Strukturen und Staatseinflüsse für eine Rückkehr zu mehr betriebswirtschaftlicher Normalität und mehr Marktwirtschaft und damit zugunsten der Absichten des CEO Thomas Enders bei der Umstrukturierung. Das kann ein Schritt in die richtige Richtung sein, dass es sich künftig anders verhält. Vielleicht wird in ferner Zukunft auch in Frankreich das gemeinsame Unternehmensziel entgegen nationalen Interessen (bei Projektleitungen, Portfoliobereinigungen, Standortschließungen, Standortverkäufen, Konzernzentralen) durchgesetzt. Doch die momentane Einseitigkeit der Neuausrichtung zu Lasten Deutschlands lässt eben anderes befürchten. Außerdem hat Enders selbst noch vom nationalen Proporz der Vergangenheit als Nachfolger eines Franzosen profitiert. Das sieht danach aus, als ob das alles dann nur der politische Preis für einen Deutschen an der Unternehmensspitze ist. Dafür bezahlt Deutschland aber zu viel. Vielleicht sollte die Umstrukturierung besser zusätzlich vom Subsidaritätsprinzip, also mehr Eigenverantwortung und Erfolgsbeteiligung der Standorte, flankiert werden. Das wäre die angemessene Normalisierung, um den Unternehmergeist zu stärken! Mehr lokale Eigenverantwortung motiviert die Mitarbeiter und genau das führt zu besseren Ergebnissen. Fremdbestimmung, Zentralismus und die autokratisch-politischen Motive sind dagegen Altlasten, die das Unternehmen inflexibel und selbst für Insider intransparent machen.  

Kommentare:

  1. France is in trouble the fundamentals of its economy simple look awful. They look like urgently needing some huge structural reforms. Which usually means that people get a shorter term focus. Probably what we see here. Add the statecontrolled model and you get things like this.

    However France imho needs urgently to show that it can cooperate with other countries on equal terms without trying by playing all sorts of games to get the upperhand.
    Germans might buy it (reluctantly) but few others will. hard to see the 3 other main candidates (China, India, Russia) for cooperation accepting it.

    In that respect France will have to show that they are a partner one can do business with.
    Probelms here or in the other high profile JVs like Air France/KLM could be longer term a party spoiler. Seems however there are a lot of lessons still to be learned (and the clock ticking).

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    1. Maybe the economic situation in France made the problem more difficult. But this is no response to the current situation. It is the effect of a longer development like its fundamental economics. What I want to show is, that the statecontrolled model at itself is the problem.

      It is the idea of a "european Europe" as a "grand" nation in de Gaulles favor, economics powered close to politicians and political concepts, what is dividing Europe.

      The best example would be in part 4/4: The best European is always the one, who pays most for Concorde, Airbus Group, EU, etc. It is a lack of economic reason. Europe becomes more expensive only. Every Member of the EU want to get more money or power. Especially struggeling for this interest - nowbody gets more money or power on the long term, because nowbody is cooperating honestly. This is not a good idea for a good working Europe.

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