Mittwoch, 3. Juli 2013

Abenomics: richtig oder falsch? Carl Christian von Weizsäcker vs. Gunther Schnabl

Weil Kommentare zu unseren Blogbeiträgen oft nicht recht auffallen, aber oft genug eigene Qualität haben, wollen wir hier auf einen Kommentar von Carl Christian von Weizsäcker zum Beitrag von Gunther Schnabl - und dessen Reaktion wiederum auf von Weizsäcker - hinweisen. Vor gut einer Woche schrieb Prof. Schnabl für uns den Beitrag "die japanischen Lehren für die europäische Krise" 

Seine Konsequenz aus der Analyse von 20 Jahren Stgnation in Japan: 


"Man würde sich wünschen, dass Europa ein ähnliches Schicksal erspart bleibt. Dazu müssten jedoch gleichzeitig drei Politikziele umgesetzt werden: (1) Rückführung der öffentlichen Kreditaufnahme, (2) Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik und (3) Rekapitalisierung der Banken. Da dies einer politischen Herkulesaufgabe gleichkommt, deuten die Zeichen in Richtung Japan". 

Carl Christian von Weizsäcker kommentiert hierzu (basierend auch auf einer Analyse, die er auf unserem Blog im Interview erläutert hat);





"Herr Schnabl hat den Kern des Problems überhaupt nicht verstanden. Die niedrigen Zinsen in Japan sind ja nicht einfach Folge einer "falschen" Geldpolitik der Zentralbank. Vielmehr ist es die hohe private Spartätigkeit verbunden mit einer geringen privaten Investitionsneigung, die die Zentralbank zwingt, zwecks Stabilisierung der Gesamtnachfrage den Zins niedrig zu halten. 
Schnabl will zurück in eine geistige Welt vor Keynes. Wie der Erfinder des Begriffs "Balance Sheet Depression", der Chefökonom der Nomura Bank Richard Koo überzeugend dargelegt hat, hatte Japan gar keine andere Wahl als den Kurs einzuschlagen, den es eingeschlagen hat. Die Abenomics ist damit der richtige Weg: Abwertung des Yen durch den Versuch, den Circulus Vitiosus der Deflation durch eine noch aggressivere Geldpolitik und Defizitpolitik zu durchbrechen. 
Würde Abe den Empfehlungen von Schnabl folgen und die Steuern massiv erhöhen, um das Staatsdefizit zu beenden, würden die privaten Investitionen in Japan weiter zurückgehen, weil die Unternehmen wegen mangelnder Nachfrage erst recht nicht mehr investieren würden. Es käme zu einer massiven Deflationskrise. Die Yen-Abwertung durch agressive Geldpolitik dient genau dazu, die Wettbwerbsfähigkeit der japanischen Industrie zu erhöhen und sie damit zu Investitionen anzureizen". Carl Christian von Weizsäcker



Gunther Schnabl antwortet:





"Sehr geehrter Herr Kollege Weizsäcker, vielen Dank für Ihren Kommentar. Hinsichtlich der privaten Spartätigkeit muss man differenzieren. Die Spartätigkeit der Haushalte in Japan ist nicht gestiegen, sondern gesunken. Was angestiegen ist, ist die Spartätigkeit der Unternehmen, die von der Nullzinspolitik quasi subventioniert werden (und trotzdem nicht investieren). 
Ich sehe keinen klaren Unterschied zwischen ihrem Politikvorschlag (Abenomics) und der Politik der letzten zwei Dekaden. Warum sollte die gleiche Politik heute wirksamer sein, insbesondere dann, wenn der geld- und fiskalpolitische Spielraum schon weit ausgereizt ist. Ich zweifle, dass sich ein großes Land auf Kosten der anderen aus der Krise exportieren kann. Die angestrebte extreme geldpolitische Expansion Japans wird nur die geldpolitische Expansion in anderen Ländern vorantreiben, aber nicht Japan nachhaltig wiederbeleben. 
Die Erfahrungen der letzten beiden Dekaden haben gezeigt, dass die geldpolitische Expansion die Staatsnachfrage, aber nicht die private Investitionen beflügelt hat. Deshalb muss aus meiner Sicht über alternative Krisenlösungsstrategien nachgedacht werden. Ohne Anpassungskosten wird es aber auf keinen Fall gehen. Beste Grüße Gunther Schnabl


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