Mittwoch, 19. Dezember 2012

Berlusconi droht mit Eigentor: Inflation, oder wir gehen! Von Michael Wohlgemuth


Der “Cavaliere” ist zurück. Gestern sagte er auf Rai 1:
 “O la Germania si convince che la Bce deve fare la vera banca centrale, e quindi anche stampare moneta, o saremo costretti disgraziatamente e sfortunatamente a uscire noi dall'euro e tornare alla nostra moneta.”
Auf gut Deutsch: “Entweder Deutschland versteht endlich, dass die EZB wie eine echte Zentralbank handeln muss, und somit auch Geld druckt, oder wir werden leider gezwungen sein, den Euro zu verlassen und zu unserer Währung zurückzukehren“.

Gut: Berlusconi ist nicht Balotelli. Er droht mit einem Eigentor. „Druckt Geld, oder wir gehen!“ ist wohl die hohlste Drohung in der Geschichte italienischer Europapolitik. Ein Italoexit hieße ja: wir verzichten auf Super-Mario-Draghis „dicke Bertha“ billiger Kredite, auf deutsche Hilfe aus dem ESM, auf Bankenrettung unter der „Aufsicht“ der EZB und kehren zurück zu 1000 Lira (steigend) für den Espresso. Auch scheint seine Idee, Deutschland für die Sorgen Italiens verantwortlich zu machen, (noch) nicht zu verfangen.

Niemand hat bisher – und unter diesen Umständen – wirklich die Absicht und einen Anreiz, den Euro zu verlassen: zumindest seitens der Nehmerländer aus den bereitgestellten Rettungstöpfen. Dennoch steht „Deutschland“ ziemlich allein da, was die begründete Weigerung angeht, wie eine italienische Zentralbank zu handeln und einfach Geld zu drucken. Hiergegen sieht sich Berlusconi (etwas übertrieben) mit der „ganzen liberalen Wirtschaftswissenschaft“ (er denkt wohl vor allem an amerikanische „Liberale“ wie Paul Krugman) ) einig:
“Questo governo ha adottato politiche austere che sono state ritenute giuste per non peggiorare la crisi. Io su questo, con tutta la scienza economica liberale, ho una posizione opposta. Con le politiche di austerity la situazione è peggiorata" 
Kurz und deutsch: Schuldenabbau macht die Lage nur schlimmer. Lass uns lieber Geld drucken!

Ob mit diesen einfachen Parolen nun Berlusconi oder die „echte Linke“ nächstes Jahr die italienischen Wahlen gewinnt, ist für Deutschland und die EU schon fast egal. Inzwischen (November 2012) meinen laut Umfragen, 83% der Italiener (gegenüber 53% im Oktober 2011), dass Deutschlands Einfluss in der EU "zu stark" sei; und 74 % beklagen sich über zu wenig "Solidarität" der Deutschen. 

Seit in der EZB einfache Mehrheiten unter den Euro-Staaten und nicht mehr die EU-Verträge bestimmen, was erlaubt und möglich ist, wird Berlusconi seine „Drohung“, aus dem Euro auszuscheiden, auch nicht einlösen müssen. Die Geldmaschine läuft ohnehin. 

Kommentare:

  1. Erschreckend und dennoch bin ich dankbar darum, dass Berlusconi unverblümt ausspricht, was viele Politiker hinter vorgehaltener Hand ebenfalls denken. Das ist einfach das sehr einfach strukturierte Denken der Südperipherie und den davon infizierten Politikern, die ihre Kompetenz und Einfluß überschreiten. Auch verdeutlicht das wieder die Eskapaden der Eurorettung, das Therater um Lorenzo Bini Smaghi. Man kann sich langsam eine immer bessere Vorstellung davon machen, was wirklich abgeht im Zeitalter der Finanzrepression.

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  2. @Christian Heinz

    "das sehr einfach strukturierte Denken der Südperipherie" Pardon aber wie soll man denn die Aussage verstehen? Es ist recht gefährlich ganzen "Peripherien" konkrete Denkmuster zuzuschreiben. 'Verallgemeinerung' ist da noch das harmloseste was mir einfällt.

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