Samstag, 12. Dezember 2015

Europa sollte Afrika zu einer Priorität machen. Von Prinz Michael von Liechtenstein

Auch wenn sie oftmals getrennt voneinander betrachtet werden, so ist es doch wichtig daran zu erinnern, dass Afrika, Asien und Europa die afrikanisch-eurasische Landmasse bilden – eine einzige geographische Einheit.

Die gesamte Geschichte hindurch teilte die Sahara Nordafrika, das vom kulturellen und wirtschaftlichen Austausch mit Europa über das leicht befahrbare Mittelmeer hinweg profitierte, vom subsaharischen Afrika.

Mit dem 19. Jahrhundert kamen neue Technologien auf, einschließlich besserer Navigationstechniken und der Einführung von Chinin als Behandlung bei Malaria. Das erlaubte es den Europäern das subsaharische Afrika zu erforschen und zu kolonialisieren.

Die Region durchlief dann nach dem Zweiten Weltkrieg eine hastige und desaströse Dekolonialisierung. Aufgrund moderner Transportmittel und Telekommunikation verliert die Sahara ihre Wirksamkeit als Barriere. Europa, Nordafrika und das subsaharische Afrika sind nun enge Nachbarn.

Daher sollte Europa einmal abgesehen von rein humanitären Gründen um Afrika besorgt sein – das Schicksal der beiden Kontinente ist miteinander verflochten. Ein stabiles und zunehmend erfolgreiches Afrika ist in Europas Interesse.

Aber es scheint so, als ob nur Frankreich – und auf einer übergeordneten Ebene der Vatikan – diese politische und geopolitische Notwendigkeit verstehen. Die jüngsten Operationen Frankreichs in Mali und der Zentralafrikanischen Republik sowie in einer ganzen Reihe anderer Länder sind entscheidend gewesen, um noch schlimmere Katastrophen in diesen Ländern abzuwenden.

Auch die katholische Kirche spielt eine enorm positive Rolle auf dem gesamten Kontinent. Katholische Priester, Nonnen, Ärzte und Lehrer harren oftmals in den gefährlichen Gegenden des Kontinents aus, selbst wenn sie dadurch ihr Leben in Gefahr bringen.

Katholische Missionen, Schulen und Krankenhäuser haben zu Afrikas Stabilität und Entwicklung beigetragen. Wie auch in anderen Teilen der Welt, schiebt der Vatikan ebenfalls diskret die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien an und hilft so den Frieden voranzubringen. Der Besuch des Papstes in Afrika wird die Auswirkungen der Aktivitäten der Kirche noch verstärken.

Frankreich und der Vatikan haben eine realistische Sichtweise. Frankreich realisiert, dass Stabilität in Afrika – im Grunde genommen ein enger Nachbar – von unverzichtbarem nationalen Interesse ist. Der Vatikan agiert aus der Pflicht seines christlichen Auftrags heraus.

Jetzt, da die Geographie keine wirksame Barriere mehr ist, sollten die Europäer ihre Scheuklappen abwerfen. Europa muss sich in Afrika engagieren, anstatt eine wenig zielführende Entwicklungshilfe als Beruhigung für ihr schlechtes Gewissen zu nutzen.

Dieses direkte Engagement wird eine Einmischung im humanitären Bereich, bei der Ausbildung und selbst beim Militär einschließen. Es erfordert ein Verständnis der Realitäten und Traditionen vor Ort. Ein zunehmender Handel sowie Investitionen werden ebenfalls entscheidend sein.

Im Dezember 2013 publizierte GIS das Statement „Massenmord in Zentralafrika“. Ein Teil davon ist es wert, nochmals wiederholt zu werden:

‘ Aus geografischer, strategischer und wirtschaftlicher Perspektive ist Afrika für Europa sehr wichtig.

‘ Afrika ist ein Brennpunkt in diesem globalen Wettlauf um Ressourcen. Europa aber wird seinen letzten Funken moralischer Autorität verlieren, wenn es nicht in der Lage ist, den Menschen in Afrika beim Schutz von Leben und Eigentum zu helfen.

‘ Afrika muss sich weiterhin Hungersnöten, Krankheiten und Bürgerkriegen stellen. Seine natürlichen Ressourcen werden von anderen Mächten genutzt werden, und Europa wird Empfängerland des hungernden Überschusses von Afrikas Bevölkerung in der Form von Einwanderern werden.

Nichts hiervon hat sich verändert, und es wird sich auch nicht verändern bis Europa Afrika zu einer Priorität macht.


Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung des Autors; er erschien am 11.12.2015 beim Geopolitical Information Service. Prinz Michael von Liechtenstein ist Gründer und Vorsitzender von Geopolitical Information Service AG sowie Präsident des Think Tanks ECAEF, European Center of Austrian Economics Foundation, mit Sitz in Vaduz. Prinz Michael ist Mitglied des Kuratoriums von Open Europe Berlin. 

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