Freitag, 17. April 2015

Unbeabsichtigte Auswirkungen der Politik der EZB. Von Prinz Michael von Liechtenstein

Sparen bedeutet Verzicht auf Konsum zu Gunsten einer Investition in die Wirtschaft in Erwartung einer zukünftigen Belohnung. Sparen ist wichtig für eine gesunde Volkswirtschaft. Das meiste wird in Pensionsfonds angelegt.

Prinz Michael von Liechtenstein
Sparer zu bestrafen war bislang das Privileg des Steuersystems oder der Inflation. Inflation ist eine verschleierte Steuer auf Spareinlagen. Jetzt bestraft das Währungssystem Sparer anstatt sie zu belohnen.

Die Schweizer Nationalbank hat negative Zinsen eingeführt, um den rapiden Anstieg des Schweizer Franken einzudämmen. Der Anstieg war das Ergebnis des Vertrauensverlusts gegenüber dem Euro, ausgelöst durch das Programm der ‘Quantitativen Lockerung’ der Europäischen Zentralbank (EZB) und einer Zinspolitik von nahezu null Prozent.

Dänemark hatte ein ähnliches Problem wie die Schweiz und war ebenfalls gezwungen negative Zinsen einzuführen um zu verhindern, dass seine Währung übermäßig ansteigt.
Die Schweizer Eidgenossenschaft kann sich jetzt Geld leihen, und die Investoren zahlen für das Privileg, einen Teil des Wertes der Schweizer Wirtschaft abzusichern. Das ist ein immenser Vertrauensbeweis für die Schweiz, aber eben nicht für die Eurozone.

In Dänemark gab es sogar Beispiele, wo Banken an solvente Kunden Geld verliehen haben und ihnen dafür auch noch Zinsen zahlten, nur um höhere negative Zinsen im Interbankensystem oder bei der Dänischen Zentralbank zu verhindern. Das bedeutet: man konnte sich Geld leihen und bekam dafür Zinsen.

Das waren die Konsequenzen außerhalb der Eurozone. Aber was passierte im Euroraum? Auch wenn die Resultate noch schlechter sein könnten, das Ziel Wachstum anzukurbeln mit der Hilfe von reichlich viel Geld wird verfehlt.

Der griechischen Regierung wird nachgesagt die Pensionskassen seiner Bürger geplündert zu haben, um Schulden zu begleichen. Die Pensionsfonds wurden einfach gezwungen, wertlose Staatsanleihen zu kaufen. Die EZB plündert die Pensionsfonds der Eurozone und andere Spareinlagen in einer weniger offensichtlichen und raffinierteren Weise durch die Kombination aus Zinsen von Null-Prozent und der Schaffung von Inflation.

Das Geld, das den Sparern in der Eurozone genauso wie in Griechenland geraubt wurde, wird dazu verwendet, Staatsschulden von Ländern die sich ohnehin in Schwierigkeiten befinden zu kaufen. Im Ergebnis wird die Kaufkraft der Rentner reduziert.

Hochverschuldete Länder haben diese Situation durch populistische und im hohen Grad überzogene Ausgaben geschaffen. Europa könnte leicht Altersarmut zu ihren erschreckend trostlosen Erfolgen bei der Jugendarbeitslosigkeit hinzufügen.

Das Programm der quantitativen Lockerung der EZB zusammen mit der Null-Zins-Politik hat weitere unbeabsichtigte und negative Folgen. Viel billiges Geld führt zu weniger Risikoaversion bei Investitionen und schafft Blasen. Der momentane Anstieg der Aktienmärkte ist hierfür ein Anzeichen. Auch die Immobilienmärkte geben einmal mehr Anlass zur Sorge.

Geld, welches keinen Preis hat, riskiert in der Wirtschaft falsch eingesetzt zu werden.

Das 18-Monatsprogramm der Quantitativen Lockerung, welches den Ankauf von Schulden von öffentlichen Einrichtungen in einer Gesamtsumme von mehr als einer Billion Euro vorsieht, wird weder die Wirtschaft Europas ankurbeln noch seine Geschäftslage verbessern. Aber es schafft die Gefahr, den Druck auf Regierungen Reformen einzuführen zu lockern, zumal einige der Reformen auf wenig Freude bei den Wählern stoßen werden. Aber nur Reformen können Europas Wirtschaft wieder auf den Erfolgspfad führen.

Europa ist in Gefahr, seine wirtschaftliche Talfahrt fortzusetzen und seine globale Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.


Dieser Beitrag erschien beim Geopolitical Information Service. Prinz Michael ist dessen Gründer und Vorsitzender sowie Präsident des Think Tanks ECAEF, European Center of Austrian Economics Foundation, mit Sitz in Vaduz.

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