Montag, 23. März 2015

Brexit – die Herausforderung. Von Mats Persson

Open Europe hat heute einen ausführlichen Bericht über die möglichen ökonomischen Folgen eines “Brexit” – des Ausscheidens von Großbritannien aus der EU veröffentlicht. Für Großbritannien wäre das nicht das Ende der Welt. Jedoch: um tatsächlich außerhalb der EU zu prosperieren, müsste eine jede britische Regierung eine Politik betreiben, die viele Befürworter des Brexit gar nicht befürworten: etwa sehr viel mehr Freihandel mit dem Rest der Welt, weniger Regulierung und eine liberalere Politik der Zuwanderung von Arbeitskräften.



Unsere Schätzungen der ökonomischen Wirkungen eines Brexit bewegen sich zwischen den Extremen eines Verlusts an Bruttoinlandsprodukt in Höhe von -2,2% (zum Jahr 2030) für den Fall einer sehr weitgehenden wirtschaftlichen Isolierung Großbritanniens und eines Gewinns in Höhe von 1.6% für den Fall einer weitreichenden Marktöffnung und Deregulierung aus eigener Kraft. In Wirklichkeit dürfte sich etwas dazwischen ergeben. 

Realistischere Szenarien ergeben eine Spanne von -0,8% bis +0,6% BIP Verlusten bzw. Gewinnen. Die Folgen eines Brexit hängen von vielen politischen und ökonomischen Variablen ab und sind nicht so eindeutig positiv oder negativ wie in anderen Studien unterstellt. Unsere umfangreiche Studie erfasst diese Folgen für die verschiedenen Sektoren der britischen Wirtschaft.



Wichtig, gerade für deutsche Leser, ist aber auch die Botschaft, dass nicht nur Großbritannien, sondern auch die EU vor der Wahl steht. Wenn die EU sich für Freihandel öffnet, Überregulierungen abbaut, Wettbewerb fördert und so den Mehrwert des EU-Binnenmarktes steigert, tut sie sich nicht damit nicht nur selbst einen Gefallen, sie verringert auch die Attraktivität eines Brexit; so hat Deutschland die Chance, einen Verbündeten für marktwirtschaftliche Ordnungspolitik, Subsidiarität und Wettbewerbsfähigkeit an seiner Seite zu behalten.

Dies ist die Herausforderung nicht nur für David Cameron, sondern für die ganze EU.


Mats Persson ist Direktor unserer Partnerorganisation Open Europe in London. 

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