Donnerstag, 5. Februar 2015

Der “Währungskrieg” schadet der globalen Wirtschaft und dem Handel. Von Prinz Michael von Liechtenstein.

Der Euro verliert gegenüber dem Dollar an Boden. Mit der Politik des ‘Leichten Geldes’ und der ‘Quantitativen Lockerung’, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) verfolgt wird, überholt diese sogar die US-Notenbank, die derzeit andeutet, dass sie in Sachen Geld in Zukunft die Zügel anziehen wird.

Der russische Rubel stürzt ab und Singapur, eine der weltweit stärksten Volkswirtschaften, hat angekündigt, dass seine Zentralbank intervenieren wird, um die Währung zu schwächen und Singapurs Wettbewerbsfähigkeit zu fördern.

Die Türkei will ihre Zinssätze herabsetzen, was ihre Währung, die Lira, noch mehr abwerten wird, und Australien und Kanada folgen diesem Beispiel.

Der US-Dollar ist stark. Amerikas Wirtschaft zeigt Selbstvertrauen, und die Fed deutet einen möglichen schrittweisen Anstieg der Zinssätze an, um die Währung zu unterstützen.
Ein abwärts gerichteter Währungswettlauf ist für den Zustand der Weltwirtschaft ein katastrophales Zeichen. Europa gibt ein gutes Beispiel ab, um die Problematik zu erklären.

Prinz Michael von Liechtenstein
Das wirtschaftliche Problem unter dem Europa leidet, ist das mangelnde Wachstum. Europa verfügt über hervorragende Ingenieure, Techniker, Wissenschaftler und einige der am besten geführten Unternehmen weltweit. Trotz alledem ist Europa aufgrund des mangelnden Wachstums wirtschaftlich gesehen der kranke Mann der Welt.

Zu viel Staat und zu viel Regulierung sind die Probleme Europas. Aber anstatt diese Probleme anzugehen, experimentiert Europa – mit Hilfe der Geldpolitik der EZB – mit „Quantitativer Lockerung“ und Zinssätzen, die bei Null Prozent oder sogar darunter liegen.

Unglücklicherweise fließt das generierte Geld nicht in dieWirtschaft. Den Unternehmen fehlt es an Vertrauen, um zu investieren, und vielen Banken mangelt es an ausreichendem Eigenkapital, um ihr Kredit-Portfolio zu erhöhen. Infolge der quantitativen Lockerung wird der Euro unattraktiv und fällt als Ergebnis dieser Politik – ob nun beabsichtigt oder nicht.

Dies steigert auf kurze Sicht die Wettbewerbsfähigkeit Europas auf den Exportmärkten, wenngleich die Importe teurer werden. Es erzwingt allerdings keine Produktivitätssteigerung oder echte Wettbewerbsfähigkeit bei den Innovationen, der Qualität und der Prozessoptimierung in der Wirtschaft. Dies ist eine unhaltbare Illusion von Wettbewerbsfähigkeit.

Ein kurzfristiger zyklischer Abschwung würde kein solch großes Problem darstellen. Aber das, was wir derzeit vorfinden, scheint eine Strukturpolitik zu sein, die mit Inflationszielen kombiniert wird.

Europas Wirtschaft genießt den einmaligen Bonus, dass der Ölpreis drastisch gefallen ist. Die augenblickliche Situation könnte, wenn man sie mit den notwendigen politischen Reformen kombiniert, dazu genutzt werden, um die europäische Wirtschaft wieder global wettbewerbsfähig zu machen. Der politische Wille zu deregulieren und die erforderlichen Infrastrukturprojekte anzugehen ist allerdings kaum ausgeprägt.

Daher wird sich die Euro-schwäche wahrscheinlich fortsetzen und Europa wird deshalb dazu beitragen, dass sich die derzeitige globale Wirtschaftskrise weiter fortsetzt.

Diese „Beggar thy neighbour“ Politik, also das Abwälzen der eigenen Probleme auf seine Nachbarn, hat in hohem Maße zu den Problemen der „Großen Depression“ in den 1930er Jahren beigetragen. Dieses Problem ist nicht allzu schwerwiegend, wenn die Abwertung nur von einigen kleineren Volkswirtschaften eingesetzt wird.  Es ist allerdings eine Katastrophe, wenn sie zum Element eines globalen Wettlaufs zwischen den großen Volkswirtschaften wird.

Solch ein „Währungskrieg“ zerstört den weltweiten Handel und die wirtschaftliche Entwicklung.

Dieser Beitrag erschien beim Geopolitical Information Service. Prinz Michael ist dessen Gründer und Vorsitzender sowie Präsident des Think Tanks ECAEF, European Center of Austrian Economics Foundation, mit Sitz in Vaduz.

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