Donnerstag, 11. Dezember 2014

Freihandel fördert Kultur. Von Johannes Fischer

Das typische Argument für den Freihandel dreht sich um die wirtschaftlichen Aspekte - Arbeitsplätze, Wachstum und so weiter. Freier Handel bringt aber noch viel mehr als nur wirtschaftliche Vorteile mit sich, denn auch die kulturelle Vielfalt profitiert enorm vom Freihandel. 

Das zeigt schon die Geschichte, denn alle großen Kulturvölker hatten eine Eigenschaft gemeinsam: Sie waren gleichzeitig auch große Händler. Die griechischen oder die italienischen Stadtstaaten beispielsweise kamen über den Handel mit anderen Gesellschaften in Kontakt und tauschten Traditionen und Kultur miteinander aus. Migranten bringen ihre eigene Kultur gleich mit, vermischen sie mit einheimischem und lassen Neues entstehen. Amerikanischer Jazz, eine Mixtur aus europäischen Instrumenten und afrikanischen Melodien ist das beste Beispiel dafür. 

Das würde aber nur halb so gut funktionieren, wenn freier Handel nicht gleichzeitig auch mehr Wohlstand schaffen würde. Erst dadurch können es sich viele Menschen überhaupt erst leisten, Kulturgüter zu konsumieren. In armen Gesellschaften sind Künstler meistens vom Wohlwollen einer kleinen Elite abhängig. Wer diesen nicht trifft, hat kaum eine Chance. Mit wachsendem Wohlstand dagegen sind die Künste und andere Kulturgüter nicht mehr nur der gesellschaftlichen Elite vorbehalten, sondern werden auch der breiten Masse zugänglich. Gleichzeitig wächst auch die Anzahl der potentiellen Kunden, und jeder dieser Menschen hat einen etwas anderen Geschmack. Es tun sich mehr künstlerische Nischen auf, in denen Künstler ihren Lebensunterhalt verdienen können. Freihandel führt indirekt also auch zu mehr Künstlern, weil viel mehr von ihnen von ihrem Beruf leben können. Bezeichnenderweise gab es auch noch nie mehr Künstler als heute, deren Vermögen die Millionenmarke überstieg. Künstler zu sein, das lohnt sich in einer globalisierten Welt. 

Diese globalisierte Welt führt aber keineswegs zu einer homogenen Einheitskultur, wie viele befürchten. Auf den erst Blick erscheint das kontraintuitiv, wird doch schließlich heute fast jede Einkaufsstraße dieser Welt von den gleichen Läden gesäumt. Egal ob in Athen, New York oder Bangkok, der nächste Starbucks, McDonalds oder Zara ist bestimmt nicht weit weg. Gleichzeitig wächst aber überall auf der Welt die kulturelle Vielfalt. War man früher noch an die einheimische Kultur gebunden und musste weit reisen, um neues kennenzulernen, trifft man heute vieles gleich vor der Haustür. Griechisches Essen und russisches Theater neben einem indischen yoga Studio - in einer globalisierten Welt herrscht nicht die eintönige Tristesse, sondern Einheit in Vielfalt. Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es wohl deshalb auch eine derartige künstlerische Diversität wie heute, von den Londoner Symphonikern bis zu Eminem, von Banksy bis zu Gerhard Richter. 
Quelle: Tripadvisor 
Das alles schadet zudem auch keineswegs den Traditionen von armen Ländern. Im Gegenteil, oft werden durch die Globalisierung lokale Traditionen am Leben erhalten und erlangen sogar weltweite Popularität. Kubanische Musik zum Beispiel wurde hauptsächlich für amerikanische Clubs produziert und persische Teppiche hauptsächlich für wohlhabende Europäer.

Statt diese Vorteile des Freihandels im Hinterkopf zu behalten, geht in der Debatte um das Freihandelsabkommen TTIP stattdessen Angst um, „Wesentliche Errungenschaften der europäischen Kultur- und Medienlandschaft stünden auf dem Spiel“, heißt es da beim deutschen Kulturrat etwa. Gerne wird dabei das Vorurteil vom kulturlosen Amerika bedient und gezielt Ängste vor einem vermeintlichen US-amerikanischen Kulturimperialismus bedient. Die Realität könnte jedoch ferner nicht sein, denn die Angst, dass Globalisierung und Freihandel die Welt kulturell verkümmern lassen würden, ist unbegründet. Das Gegenteil ist der Fall, Freihandel schafft nicht nur mehr Wohlstand sondern auch eine größere kulturelle Vielfalt.

Johannes Fischer studiert Politik, Philosophie und Ökonomie an der Universität Witten/Herdecke und arbeitet gelegentlich als wissenschaftlicher Assistent bei Open Europe Berlin.

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