Donnerstag, 6. Februar 2014

Für offene Grenzen: Einwanderung verbessert Leben dramatisch. Von Alexander Fink

In der Debatte über Einwanderer aus EU-Mitgliedsländern wurden vornehmlich mögliche Vor- und Nachteile der sich derzeit in Deutschland aufhaltenden Bevölkerung erörtert. Wenig Beachtung haben in der Diskussion leider die Interessen der Einwanderer gefunden. Sie sind es jedoch, die zweifelsohne ihre Lebenssituation durch die Einwanderung maßgeblich verbessern können. Wer um das Wohl aller Menschen besorgt ist, sollte sich deshalb für den freien Personenverkehr über Ländergrenzen hinweg aussprechen. Dabei sollte es irrelevant sein, ob die Ländergrenzen innerhalb der EU verlaufen oder zwischen EU-Mitgliedsländern und Nicht-EU-Mitgliedsländern.

Wir sind stets bestrebt, unsere Lebenssituation zu verbessern; zum Beispiel durch die Wahl unseres Wohn- und Arbeitsortes. Das gilt auch für Flüchtlinge aus ärmeren Ländern der Welt. Sie verlassen ihre vertraute Umgebung und nehmen zuweilen für uns unerdenkliche Torturen auf sich, um eine Chance auf ein besseres Leben fernab ihrer Heimat zu bekommen. Wenn sie bei uns ankommen, sollten wir sie mit offenen Armen und nicht mit verriegelten Grenzzäunen empfangen.


Dramatische Verbesserung des Lebensstandards durch Migration

Menschen, die aus den ärmsten Ländern der Welt in eines der reichsten Länder einwandern, können ihre Lebenssituation auf einen Schlag dramatisch verbessern. Es geht nicht um Peanuts. Einige Zahlen sollen helfen, die großen Unterschiede bezüglich des Lebensstandards zu veranschaulichen. Laut Internationalem Währungsfonds bezogen die knapp 81 Millionen in Deutschland lebenden Menschen 2013 ein durchschnittliches Einkommen, das 30 mal so hoch war wie das durchschnittliche Einkommen der 88 Millionen in Äthiopien lebenden Menschen. Wandert ein Äthiopier nach Deutschland ein und erwirtschaftet hier ein Einkommen, das sich gerade einmal auf ein Zehntel des deutschen Durchschnittseinkommens beläuft, verdient er etwa 3 mal so viel wie die Menschen in Äthiopien im Durchschnitt. Unterschiede bezüglich der Preisniveaus in den beiden Ländern sind bei diesen Überlegungen bereits berücksichtigt.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass laut Michael Clemens vom Center for Global Development der Abbau der bestehenden Migrationsbarrieren einen wesentlich größeren Beitrag zur Verbesserung des Lebensstandards auf der Welt leisten könnte als der weltweite Abbau aller Handelsbarrieren.

Angst vor Zusammenbruch der Sozialversicherungen unbegründet

Die in Deutschland viel diskutierte Einwanderung in die Sozialversicherungssysteme ist kein Problem. Zum einen gibt es empirische Hinweise darauf, dass Einwanderer in Deutschland etwas mehr in die Sicherungssysteme einzahlen als sie ausgezahlt bekommen. Zum anderen ließe sich die Einwanderung in die Sozialversicherungssysteme vermeiden, indem Menschen erst nach mehrjähriger Beitragszahlung einen Anspruch auf Leistungen erwirken. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung ist das heute schon für jeden Arbeitnehmer in Deutschland der Fall. Erst wer mindest fünf Jahre lang Beiträge gezahlt hat, hat einen Anspruch auf Rentenzahlungen im Alter. Eine derartige Regelung ließe sich auch auf die anderen Sozialversicherungen ausweiten. Für viele Menschen wäre es dennoch erstrebenswert, nach Deutschland einzuwandern, weil die in ihren Heimatländern vorzufindende Kombination aus Arbeitsmöglichkeiten und Leistungen der sozialen Sicherungssysteme wesentlich weniger attraktiv sind.

Mindestlohn inkompatibel mit offenen Grenzen

Inkompatibel mit einer Politik offener Grenzen ist offensichtlich ein Mindestlohn in der von der derzeitigen Bundesregierung angestrebten Höhe. Für die meisten nicht hochqualifizierten Einwanderer hat ein Mindestlohn von 8,50 Euro die gleiche Wirkung wie der Entzug der Arbeitserlaubnis. Einwanderer mit geringem Ausbildungsniveau und wenigen Sprachkenntnissen erzielen zunächst relativ niedrige Löhne. Diese in Deutschland relativ niedrigen Löhne sind jedoch hoch im Vergleich zu den Löhnen, die die Einwanderer in ihren Heimatländern hätten erzielen können.

Migration als effektive Entwicklungshilfe

Der Abbau bestehender Migrationsbarrieren ist die vermutlich effektivste Form der Entwicklungshilfe. Befürchtungen, dass eine Zunahme der Einwanderung einen großen Effekt auf das Beschäftigungs- und Lohnniveau von derzeit in reichen Ländern Lebenden haben würde, scheinen unbegründet. Empirische Hinweise gibt es beispielsweise für Deutschland in der langen Frist lediglich auf schwach negative oder schwach positive Effekte. Derweil würden die Einwanderer massiv profitieren und durch Transfers in ihre Heimat ihre Familie und Freunde unterstützen können. Wer nicht nur am Wohl der momentan in Deutschland oder in Europa Verweilenden interessiert ist, sondern am Wohl aller Menschen, sollte sich folglich für eine stärkere Öffnung der Grenzen einsetzen.


Dr. Alexander Fink arbeitet am Institut für Wirtschaftspolitik der Universität Leipzig und ist Senior Fellow am Institute for Research in Economic and Fiscal Issues – IREF. Ihm wird in diesem Jahr der "ORDO-Preis für ordnungspolitische Innovationen" verliehen.

Kommentare:

  1. "Die in Deutschland viel diskutierte Einwanderung in die Sozialversicherungssysteme ist kein Problem. Zum einen gibt es empirische Hinweise darauf, dass Einwanderer in Deutschland etwas mehr in die Sicherungssysteme einzahlen als sie ausgezahlt bekommen."

    Grundsicherung aka Sozialhilfe oder Hartz IV beruhen nicht auf Einzahlungen. Sie sind keine "Versicherungen". Im Übrigen ist es komisch, den Nutzen von Einwanderung kollektiv am monetären Ergebnis einer Gruppe zu messen. Wenn man den Nutzen beurteilen wollte, müsse man die monetäre Ebene wie auch die Beschränkung auf die Sozialversicherung verlassen.

    "Zum anderen ließe sich die Einwanderung in die Sozialversicherungssysteme vermeiden, indem Menschen erst nach mehrjähriger Beitragszahlung einen Anspruch auf Leistungen erwirken."

    Ich würde das begrüßen, finde es aber schwierig. Wartezeiten mögen für die RV oder PV gehen, sind in der KV ein Ding der Unmöglichkeit: Der Gleichbehandlungsgrundsatz würde erfordern, dass auch deutsche Staatsangehörige erst nach 5 Jahren Anspruch erwerben.

    Wo es nicht um Sozialversicherungen, sondern um das Existenzminimum geht, wäre eine Wartezeit überdies verfassungsrechtlich unzulässig.

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  2. Eine Ergänzung. Sie schrieben:

    "Inkompatibel mit einer Politik offener Grenzen ist offensichtlich ein Mindestlohn in der von der derzeitigen Bundesregierung angestrebten Höhe. Für die meisten nicht hochqualifizierten Einwanderer hat ein Mindestlohn von 8,50 Euro die gleiche Wirkung wie der Entzug der Arbeitserlaubnis. Einwanderer mit geringem Ausbildungsniveau und wenigen Sprachkenntnissen erzielen zunächst relativ niedrige Löhne. Diese in Deutschland relativ niedrigen Löhne sind jedoch hoch im Vergleich zu den Löhnen, die die Einwanderer in ihren Heimatländern hätten erzielen können."

    Würden Sie zustimmen, dass der faktische Mindestlohn bewirkt durch die Sicherung des Existenzminimums und unter der Annahme, dass Zuwanderer "zunächst relativ niedrige Löhne" erzielen, "die gleiche Wirkung wie der Entzug der Arbeitserlaubnis" hätte? Und würde das nicht bedeuten, dass man Ihr Urteil der Inkompatibilität von offenen Grenzen nicht ausdehnen müsste, solange vom Staat ein Existenzminimum gewährleistet wird?

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  3.        This is NOT racism: France limits immigration to 1,000, or eliminates it entirely. In this action, France is not denying basic human rights to any of its residents, as the Israelis are. Nor is France denying human rights to non-residents (foreign citizens residing in their own countries)--- For it is not a human right of one man to immigrate into the country of another.  Each country belongs to its own citizens, not to the world at large. The streets, the jobs, the communities, all belong to the citizens of that country who created them over the difficult course of centuries. That is why we have borders, and that is why we have nationalities. The richness and strength of Europe throughout history has depended on their distinct and diverse nationalities, their differences, their sovereignty. The EU politicians, as agents for the financial elite who apparently care about nothing but increasing their personal wealth, is very clever in its public relations, speeches, and TV & newspaper releases, to further their goal of corporatizing W. Europe into a shallow-minded consumption sektor, and E. Europe into a source of cheap labor and a sektor of sweatshops, and plantations. It is the EU and its elite overlords who are racist, not the people who oppose their immigration scheme.

           Without its own unique culture and traditions, its language, ways of dress, manners, and a thousand other things, a country has no culture and no true communities. Such a country becomes instead like the Tower of Babel. The Bible says that it was Babel's pride that led them to build ever skyward. It is our greed for cheap goods and cheap servants, and our pride claiming to be morally superior non-racists, that now leads toward our decline. A little immigration is good, like spice. Too much immigration destroys. The millions of immigrants we have allowed in should be treated courteously, with respect, and given full rights regardless of their race. But we have allowed far too much immigration.  It should be stopped immediately, brought to zero.      

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  4. Die deutschen Mittelständler lernen es relativ schnell mit dem Mindestlohn umzugehen: "Die Aussicht auf den gesetzlichen Mindestlohn scheint die Entwicklungen im Niedriglohnbereich zu beeinflussen. Immer mehr Arbeitgeber sind verhandlungsbereit." das betrifft auch die Einwanderer. Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/tarifloehne-in-den-vergangenen-jahren-gestiegen/

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