Donnerstag, 6. Juni 2013

Das Euro-Debakel des Globalhawk. Von Christian Dominik Heinz

Wenn man den von Pleitegeiern geprägten "Euro" mit einem anderen Vogel, dem Globalhawk kreuzt, dann kann nur ein Debakel rauskommen! So passiert beim Eurohawk.

Die Aufklärungsdrohne Eurohawk besteht aus dem Träger, dem Flieger, der aus den USA von Northrop Grumman importiert wird und dort den Namen Globalhawk trägt, und der Sensorik von der EADS-Tochter "Cassidian" mit dem Namen "ISIS" (Integrated Signal Intelligence System). Er sollte ein Ersatz für weltweit veraltete Orion werden. Sie ist ebenfalls ein SIGINT-Aufklärer (also ein Flugzeug mit der Informationsgewinnung durch Signals-Intelligence ausgerüstet).


Doch Mitte Mai wurde das Beschaffungsprogramm plötzlich gestoppt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat die Reißleine aufgrund der Kostenexplosion durch Zulassungsprobleme gezogen. Der Eurohawk ist die größte Drohne der Welt (so groß wie ein kleiner Airbus) und eine vollständige Neuentwicklung. Sie teilt damit das Schicksal von vielerlei Großprojekten und Neuentwicklungen. Gerade bei EADS hat sich dieses Übel wohl prinzipiell festgesetzt. Er steht nun in einer Reihe mit Projekten wie dem Eurofighter, Tiger, NH90 und A400M, die ihrerseits mit Auslieferungsverzögerungen und Teuerungen zu kämpfen hatten. Milliarden an Steuergeldern werden verschwendet.

Doch was steckt dahinter - was ist der Grund dieser scheinbar regelmäßigen Probleme bei diesen Beschaffungsprogrammen? 

Den Projekten gemeinsam ist jeweils die Neuentwicklung. Der erwartete Technologiesprung birgt nachvollziehbar unvorhersehbare Kosten. Außerdem behindern Sonderwünsche und Änderungen der jeweiligen Kunden die Entwicklung. So wurde der Tiger beispielsweise von der französischen Armee in Afghanistan schon längst eingesetzt, bevor das bei der deutschen Version überhaupt denkbar war. Die Zulassungsprobleme beim Eurohawk beweisen geradewegs die Schwierigkeit, diese Neuentwicklungen produktreif zu machen. Er ist quasi ein vollkommen neues noch nie in ähnlicher Weise für den zivilen Luftraum zugelassenes Flugobjekt. Es ist trivial, dass sich alle Seiten damit schwer tun.

Aber der Eurohawk ist ein interessanter Extremfall, der im Hintergrund ein Scheitern europäischer Leitideen markiert. EADS ist gegründet worden, um die Lasten teurer Rüstungsprogramme zu teilen und eine wichtige Schlüsselindustrie mit einer nötigen Stärke zu pflegen. Gewissermaßen entspricht das dem geopolitischen Interesse Europas, das von der Eurokrise scheinbar verdrängt worden ist.

Die Drohne ist immerhin ein amerikanischer Technologie-Import. Auch bei anderen Drohnen sind die USA gegenüber Europa führend (Predator). Hier hat man sich nun abhängig gemacht. Das Zulassungsproblem zeigt nun eben, dass man sich nicht auf den Import irgendeiner Technologie verlassen kann. In seiner Erklärung am 5. Juni hat de Maizière die USA beschuldigt, Auskünfte für die Zulassung zurückgehalten zu haben. Man hat es sich zu einfach vorgestellt, fremde Technologie zu nutzen. Eigene Entwicklungsprogramme sind notwendig. Warum hat man Europa kein gemeinsames Drohnen-Entwicklungsprogramm, sondern importiert die Heron und die Globalhawk?

Das erinnert schon leicht an die Starfighter-Krise. In einer Abhängigkeit kann man Kosten und Technik noch weniger kontrollieren als in bedarfsgerechten Entwicklungsprogrammen der eigenen Industrie. Der Preis wird unfair, falls man selbst keine Alternativen hat (keinen Ersatz für die Drohne/ der "Talarion" von EADS fand bislang nicht die nötige Unterstützung). In dieser Hinsicht ist der Tornado oder Eurofighter ein großer Erfolg für Europa. Nur hat man jetzt scheinbar die Lehren aus der Starfighter-Krise wieder vergessen. Peinlicherweise ist damit sogar das hoheitliche Interesse an dieser Technologie in der Sicherheitspolitik konterkariert.

In dieser Situation sind die USA nun der dominante Partner, der seine Macht vergleichslos ausspielen kann. Der Affäre ist eine Lieferverzögerung aus den USA schon voraus gegangen. Und die Probleme der Nachrüstung und deren Kosten dürften dem Anbieter wohl eher bekannt gewesen sein als dem europäischen Partner oder Kunden. Bei ähnlichen Projekten gab es schon negative Erfahrungen bei der Vertragsauslegung mit Advokatenschläue den Preis zu treiben. Das Verhältnis von Projektmitarbeitern und Juristen ist in den USA nicht gerade ausgewogen.

Unabhängig von den Kosten solcher Projekte entsteht hierdurch ein Schaden für den Technologiestandort. Eine Schlüsselindustrie zeichnet sich dadurch aus, dass ihr Nutzen auch auf andere Industrien ausstrahlt. Beispielsweise geht viel aus der Luftfahrt in die Autoindustrie über. Außerdem gibt es, wie schon angesprochen, ein sicherheitspolitisches Interesse an Hochtechnologie schlechthin.

Wegen des legitimen Kostenbewußtseins auch auf externe Beschaffungsprogramme zu setzten und die Konkurrenz zu beleben, dessen Bedeutung diese Misere auch zum Beweis gereichen könnte, hat ihren Vorteil überreizt. Es gibt mehr Kriterien und Konsequenzen in der Evaluation die sehr teure Rüstung günstig zu halten.

Die intendierte Haltung hinter der Austeritätspolitik scheint sich "neurotisch" auf allen Gebieten in Europa auszubreiten, wo sie nicht hingehört. Mit dem Scheitern vom Eurohawk scheitert auch ein kleines Stück EADS. Problematisch ist, dass an der krisenpolitischen Kleingeistigkeit wichtige politische Ideen Europas zugrunde gehen. Hier ist es die Integration einer Industrie, dessen Konsequenz teilweise das Eurohawk-Debakel zeigt. Das war aber auch schon der Fall beim hinausgeschobenen Projekt "Galileo", einem eigenen europäischem GPS-System (ebenfalls hoheitlich bedeutsam!). Auf anderem Gebiet ist es eine europäische Ratingagentur, die nicht zustande kommt. Europäische Politik scheint unfähig, im gemeinsamen Interesse etwas aufzubauen. Es gibt keinen Schritt vorwärts mehr. Das war einst die Gründung von EADS gewesen. Es gibt nur noch die Zwangsentwicklung einer Krisenlogik: Eine einseitig-zentralistische Vereinnahmungspolitik der EU (mehr Macht, mehr Bürokraten, mehr Regulierung, mehr Mitgliedsländer). Damit kann man nicht Stabilität und Wachstum schaffen.


Christian Dominik Heinz ist Daytrader und beschäftigt sich u.a. mit der Rolle der Luft- und Raumfahrt in der Industriegeschichte Deutschlands. Man kann ihm auf Facebook und unter @PhiloHeinz folgen - See more at: http://blog.openeuropeberlin.de/2013/01/europa-symptomatisch-eads-von-christian.html















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