Montag, 11. März 2013

Managergehälter und Moral Hazard – Einige Gedanken zur Begrenzung der Manager-Boni. Von Friedrich Lucke


Die EU will ab 2013 die Boni, die Manager bekommen, begrenzen. Niemand soll mehr als das doppelte seines Grundgehalts als Bonus bekommen und auch das nur, wenn drei Viertel der Aktionäre zustimmen.  Ansonsten dürfen Boni nur genauso hoch sein wie das Grundgehalt. Das neue Gesetz ist Bestandteil der neuen Finanzmarktregulierung Basel III. Diese neuen Regelungen sollten ursprünglich ab 2013 gelten und beinhalten neben der Begrenzung der Manager-Boni strengere Liquiditäts- und Eigenkapitalvorschriften. Die Pressemeldung des europäischen Parlaments kann hier eingesehen werden.  

Die EU hält die Managervergütung für überhöht. Boni würden selbst dann ausgezahlt, wenn das Unternehmen Verluste macht. Weil diese Verluste teilweise durch Rettungsfonds (wie z.B. SoFFin oder indirekt auch den EFSF und ESM) aufgefangen werden, ist es verständlich, dass die EU auch bei der Vergütung der Vorstände mitreden will. 

Ist dieses Gesetz aber notwendig?

Auch ohne staatliche Eingriffe sind die Managerboni nicht außer Kontrolle. Der Chef der Commerzbank zum Beispiel erhält nur 500.000€, bis alle Staatshilfen vollkommen zurückgezahlt sind. Eric Daniels, der ehemalige  Konzernchef von Lloyds, musste auf Drängen der Aktionäre ein Drittel seines Bonus von 2011 zurückgeben, und der britische Fonds Hermes droht auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank den Aufsichtsrat nicht zu entlasten, sollte die Vergütung des Vorstandes zu hoch ausfallen. Es scheint also, als hätten die Aktionäre ihre Vorstände im Griff.

Und um die Vertragsfreiheit zwischen einem Unternehmen und dessen Vorstand nicht weiter einzuschränken, gibt es  keinen Grund, warum sich die EU in die Vergütung der Manager einmischen sollte. Sollten dann nicht allein die Aktionäre entscheiden, wie viel ihnen die Arbeit ihres Vorstandes wert ist? Hat die Begrenzung der Boni denn die gewünschten Effekte? Die Obergrenze für die Boni der Manager soll bewirken, dass das sogenannte moralische Risiko reduziert wird. Die Verlockung hoher Boni könnte dazu führen, dass Manager mehr Risiko eingehen, als es im Interesse ihres Unternehmens und deren Anteilseigner ist. Nicht wenige sehen hier eine Ursache der Finanzkrise und genau dies ist die Position der EU.

Ob das richtig ist, sei einmal dahingestellt, es gibt aber auf jeden Fall einige andere Effekte, die man berücksichtigen sollte. Erstens: Moralisches Risiko würde viel stärker reduziert werden, wenn nicht die EU mit Rettungspaketen und Garantien die Kredite der Banken sichern würde. Moralisches Risiko (engl. = moral hazard) entsteht ja nicht nur dadurch, dass Streben nach Geld zu verantwortungslosem Verhalten führt, sondern vielmehr dadurch, dass verantwortungsloses Verhalten nicht bestraft wird.

Es geht also um den gleichen Zusammenhang, den Johannes Fischer neulich in seinem Beitrag “Die Hydra der Finanzmarktregulierung” beschrieb. Anstatt einfache und klare Regeln wie persönliche Haftung bei Risikoverhalten einzuführen, soll nun alles strengen Regeln unterworfen werden, Credit Default Swaps, Hochfrequenzhandel und nun Manager-Boni.

Anschaulich bekämpft die EU damit die Symptome einer Krankheit, nicht jedoch die Krankheit selbst. Aus Sicht der Politiker lassen sich solche Gesetze gut verkaufen: Selbst wenn sie nicht in der Lage sind zu verhindern, dass Krisen entstehen, sind sie nicht untätig und verhindern, dass gierige Manager (die in der öffentlichen Meinung häufig der Sündenbock sind) viel Geld verdienen, schreibt Mats Persson, der Direktor von Open Europe.

Zweitens: Dadurch, dass ihre Boni jetzt begrenzt sind, haben die Manager nicht nur weniger zu gewinnen, sondern auch weniger zu verlieren.  Früher wurde Managern eine riesige Bonuszahlung  bei guter Leistung in Aussicht gestellt. Hätten sie sich mit zu viel Risikobereitschaft verzockt, hätten sie den Bonus verloren. Ist aber gar keine Bonuszahlung in Aussicht gestellt, sinken die Opportunitätskosten des Scheiterns. Das heißt, dass es Vorstände weniger stört, wenn sie sich verzockten. Damit wirkt also das Gesetz gerade in die entgegengesetzte Richtung und macht Risikoverhalten attraktiv. Es wird auch moralisches Risiko erzeugt.

Dies setzt voraus, dass sich die Manager überhaupt primär nach der eigenen Vergütung richten. Sind Macht und Prestige möglicherweise genauso wichtig? Dafür spricht ökonomisch die Theorie des abnehmenden Grenznutzens des Geldes: Je mehr man verdient, desto weniger macht ein zusätzlicher Euro aus. In diesem Fall wäre das neue Gesetz wirkungslos, jedoch nicht schädlich.

Desweiteren kritisieren hochrangige Banker, dass dadurch der europäische Bankensektor an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem amerikanischen Bankensektor verlöre. Attraktive Boni sollten die besten Leute anlocken, die Grundgehälter könnten jedoch nicht stark steigen, denn an diese sind Pensionsansprüche gekoppelt. Dass trotz der deutlich höheren Kosten eines höheren Grundgehalts einige Firmen diese Optionen sofort prüfen wollten, deutet auf die Wichtigkeit von Fachkräften hin.

Die Argumentation, dass monetäre Anreize notwendig sind, um im Wettbewerb um Fachkräfte mithalten zu können, müsste den EU-Funktionären eigentlich einleuchten, zumal EU-Funktionäre vor kurzem exakt dieselbe Argumentation verwandten, als es darum ging, ihre eigenen Gehälter zu rechtfertigen.

Wenn es aber europäischen Firmen unmöglich ist, die gleichen Gehälter und Boni zu zahlen wie die ausländische Konkurrenz, wie könnten sie dann konkurrieren? Eine nahliegende Möglichkeit wäre, den Vorständen mehr Handlungsspielräume zu geben, basierend auf dem Gedanken, dass nicht nur Geld, sondern auch eine außergewöhnliche Machtstellung in einem Unternehmen attraktiv sein kann.

Wenn das der Fall ist, könnte sich die Deckelung der Vorstandsgehälter sogar kontraproduktiv auf das Risikoverhalten auswirken, denn eine starke Machtposition gepaart mit sicheren Bezügen führt möglicherweise  zu noch mehr moralischem Risiko.

Die Begrenzung der Boni hat also sehr differenzierte, teilweise auch ungewollte Nebenwirkungen. Es bleibt abzuwarten, wie große Firmen auf die Reform Basel III reagieren. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass eine solche Regelung auf Dauer vor Finanz- und Wirtschaftskrisen schützt. Die Märkte sind nun einer weiteren Regel unterworfen und Europa auf dem besten Weg, auch eine „Hydra der Regulierung“ (credits to Johannes Fischer) zu werden.

Friedrich Lucke studiert Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs Universität in Freiburg.

Kommentare:

  1. Die Koalitionsspitzen sind sich endlich einig, dass überzogene Managergehälter verhindert werden sollen. Die Änderungen sollen noch vor der Sommerpause im Bundestag eingebracht und verabschiedet werden. (Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/einigung-bei-manager-gehaelter-und-buerokratie-abbau/ )
    Die Volksabstimmung in der Schweiz hat dieses Thema wieder in Schwung gebracht und schon geht es in Deutschland voran.

    Gruß,
    W.

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  2. Ich kenne mich das nicht so gut aus, aber widerspricht das nicht dem Aktiengesetz? Und selbst wenn nicht - wer sagt uns denn, das nicht morgen die Gehälter für alle von der EU festgelegt werden.

    Manchmal habe ich den Eindruck, da ist seit Beginn der 1990er Jahre jede Menge Ostblock in der EU drin.

    KClemens

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