Dienstag, 12. Februar 2013

Fishing for compliments? Fortschritt für Fischbestände! Von Nora Hesse


Auch wenn „Ausgabenkürzungen“ immer noch ein Schimpfwort für die meisten Parlamentarier in Brüssel ist, haben die Europaabgeordneten letzte Woche eine Sache gut gemacht. Am 6. Februar haben sie einen sehr ehrgeizigen Reformvorschlag für die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) verabschiedet.

Es war auch höchste Zeit. Schädliche EU-Subventionen für die Fischereiwirtschaft und Überkapazitäten in der Fischfangflotte haben zu einem allgemeinen Rückgang der kommerziell wichtigsten Fischbestände und zum Verlust von Arbeitsplätzen im Fischereisektor in der EU geführt. Nach Angaben der EU-Kommission sind 75% der EU-Fischbestände überfischt – verglichen mit 25% weltweit. Die Kommission gibt selbst zu: Eine nachhaltige Nutzung der marinen Tier- und Pflanzenwelt wird durch die Gemeinsame Fischereipolitik nicht sichergestellt. All das soll nun geändert werden. Wie?  Die wichtigsten Punkte des Reformvorschlags:

Rückwerfverbot: Fast ein Viertel der gefangenen Fische werden (meistens tot) zurück ins Meer geworfen – um Quoten einzuhalten oder weil die Fische keinen Handelswert haben. Ein neuer Zeitplan soll ab 2014 Schritt für Schritt ein Rückwurfverbot für alle fischereilich genutzten und regulierten Arten festlegen.
Beachtung des höchstmöglichen Dauerertrags ("Maximum Sustainable Yield" (MSY) oder die Fangmenge  bei der Fischbestände langfristig ihre Größe behalten): Ab 2015 müssen Fischer den höchstmöglichen Dauerertrag beachten; die EU-Länder dürfen nur nachhaltige Fanquoten beschließen. Bis 2020 sollen die Fischbestände wieder über dem MSY-Niveau liegen und auf diesem Niveau gehalten werden.   
Langfristige Perspektive statt alljährlicher Kampf um Fangquoten: Mehrjahrespläne für Fischbestände sollen zu einer nachhaltigen Fischerei beitragen, Ressourcen schonen und langfristige Erträge optimieren.
Dezentralisierung: Die Fischereibewirtschaftung soll weitgehend auf regionaler Ebene geführt werden – regionale Akteure (Fischer, Wissenschaftler, betroffene Mitgliedsländer) sollen die laufenden Probleme lösen und über die eigentliche Umsetzung der in Brüssel festgelegten grundlegenden Prinzipien, Gesamtziele und Leistungsindikatoren entscheiden.

Welche ökonomische Logik steckt hinter dieser Reform?

Fischbestände in Gewässern mit freiem Zugang sind ein typisches Beispiel für Allmende-Güter: Güter, von deren Nutzung andere nicht ausgeschlossen werden können und bei deren Nutzung Konkurrenz zwischen den Nutzern herrscht. Auf das Problem der Überfischung bezogen: Jeder einzelne Fischer handelt rational, wenn er so viele Fische wie möglich fängt, auch wenn die Überfischung insgesamt die Lebensgrundlager aller Fischer bedroht. Oder anders gesagt: Es ist für jeden Einzelnen rational, wenn er aus Sicht der Gemeinschaft irrational handelt.


Die weltweit führende Umweltökonomie-Forscherin Elinor Ostrom hat sich mit diesem Problem auseinander gesetzt. Für ihre Arbeit zu Allmende-Gütern erhielt sie 2009 sogar (als erste Frau) den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften. Jahrzehntelang war sie auf der Suche nach den entscheidenden Eigenschaften von nachhaltig funktionierenden Lösungen im Vergleich zu den gescheiterten Fällen


In ihrer praxisnahen Forschung ist sie zu einer überraschenden Erkenntnis gekommen. Es ist nicht der Staat und auch nicht der Markt, der zu den besten Ergebnissen bei der kollektiven Nutzung knapper natürlichen Ressourcen führt. Die Menschen vor Ort – wenn sie sich im Rahmen eines klaren Regelwerks frei bewegen dürfen – finden oft ziemlich vernünftige Regeln für die Nutzung der Allmende-Güter. Das Beste daran – die Lösungen werden nicht zentralstaatlich angeordnet. Polyzentrismus war Ostroms Idealvorstellung. Sie sah den Schutz der Allmende-Güter als eine allgemeine Aufgabe, am besten organisiert von der Gruppe vor Ort,  auf Vertrauensbasis und angepasst an kulturelle Normen. Zusammenarbeit war ihr Schlagwort. 

Die Einsichten von Elinor Ostrom greift der GFP-Reformvorschlag auf. Auch wenn noch Einzelheiten zu klären sind (das Europäische Parlament muss mit dem Rat und mit der Kommission weiter verhandeln und in zweiter Lesung abstimmen) – der Reformvorschlag ist aus zwei Gründen vielversprechend. Erstens, weil er ökonomisch fundiert und sehr sinnvoll ist. Und zweitens, weil er zeigt, dass die EU sich in die richtige Richtung bewegen kann – zu mehr Subsidiarität und weniger Zentralismus.

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